Art            Lip               Welcome                  to my universe
I‘m a: singer/songwriter, multi-instrumentalist/trumpetplayer, producer/performer, photographer/visual artist, science fiction writer
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Tutorial

Der Mainstream Solist

Das "perfekte" Solo

Wenn es nur ein einziges gäbe, bräuchten wir dieses Tutorial nicht. Und es wäre schon gespielt worden und das war's. :) Jeder hat bestimmte rhythmische und tonale Vorlieben. Ich möchte auch, daß dieser individuelle Aspekt so bleibt. Letzten Endes ist der eigene Stil sogar das Ziel eines jeden Solisten. Um das überzeugend zu "bringen", sollte er all das, was er gerne spielen würde, so gut beherrschen wie es ihm möglich ist. Dafür ist ein Weiterarbeiten an seinen Fähigkeiten unvermeidbar. Und bei allen Möglichkeiten: ein gutes Solo ist kein Selbstzweck, sondern verfolgt eine Linie. Sie soll den Hörer intellektuell und emotional mitreißen. Eigentlich ist damit ja jetzt schon alles gesagt :) einige Dinge falllen mir da aber durchaus noch ein: Zuallererst: ein Solo steht immer im Arrangement. Es erfüllt im Rahmen des Arrangements eine Funktion. Selbst wenn der Arrangeur es nur eingeplant hat, um eine Lücke zu fülllen, zu der ihm nichts anderes eingefallen ist. Entweder steht das Solo zentral im Mittepunkt des Stückes (eher die Ausnahme), oder es leitet von einem zu einem andern Teil des Stückes über (sehr häufig), oder es soll die Entwicklung des Stücks steigern oder entspannnen im Gesamtzusammenhang. Als guter Solist geht man immer von Variante 3 aus. Man weiß, was vorher passiert ist, wo es hinführt, und hat - (auch wenn man das Stück nicht kennt, weil man gerade kollektiv improvisiert)- eine Vorstellung davon, wie das Stück weitergeht. Treibt das Stück die ganze Zeit vorher auf einen Höhepunkt zu: sollte man ihn setzen. (Außer man kennt das Arrangement im Voraus und weiß: die Klimax kommt nach mir). War der Höhepunkt gerade: zum nächsten Teil oder dem Schluß überleiten - je nach Arrangement. War vorher wenig los: Viel machen oder ein paar Highlights innerhalb des eigenen Vortrages setzen. War viel los: eventuell einen Gegenpunkt setzen (hängt wieder vom Gesamtzusammenhang ab). Zweitens: Das Solo sollte - wenn möglich - innerhalb seiner selbst - eine Spannungslinie aufweisen. Diese Linie sollte keine Gerade sondern ein Bogen sein - weshalb die Spannunglinie auch als "Spannungsbogen" bezeichnet wird. Einige mögliche Varianten: 1. langsam leise rein, Höhepunkt, langsam leise raus - zum nächsten Teil übergeben 2. Höhepunkt, abfallen, Zwischenhochs, verhalten raus - zum nächsten Teil übergeben 3. Höhepunkt, durchziehen, zum nächsten Teil übergeben 4. mitttelengagiert rein, Akzente, Höhepunkt, zum nächsten Teil übergeben Steht das Solo im Mittelpunkt des Stückes, so empfehle ich in der Regel die Variante 1 - allerdings sind dann - insbesondere bei großer Länge des Solos - mehrere Spannungswellen der beste Weg. Also: verhalten rein, kleiner Höhepunkt, verhalten, kleiner Höhepunkt, verhalten, "fetter" Höhepunkt und danach wieder entweder leise raus - sehr leise - oder mit dem Höhepunkt aufhören. Ein gutes Solo ist wie guter Sex. Innerhalb dieser Spannungsteile kann man die verhalteneren Teile wiederum duch Sforzati (kurzeitiger, starker Akzent, der sofort wieder zurückgenommen wird) und andere Mini-Peaks und Kleinereignisse auflockern. Bei einem solchen "Monstersolo" ist es außerdem Pflicht, sich rhythmisch etwas einfallen zu lassen und auf diesem Gebiet Abwechslung zu erzeugen. Das gilt vor alllem (und dies bei allen Soli) - wenn harmonisch nicht viel passiert. Wenn harmonisch sehr viel passiert - also ständige Modulationen des tonalen Schwerpunktes - und das vieleicht sogar halbtaktig: nicht zu dicht spielen. Das wäre meistens kontraproduktiv. Denn: die vielen Harmonien pflastern aus Sicht des Komponisten den Weg dermaßen aus, weil er eine bestimmte Melodieführung erzwingen will. (Die Melodie ist in den Harmonie-Wechseln durch den geschickten Einsatz der Leitonführung mittels Gebrauch der richtigen Umkehrungen in wichtigen Teilen "enthalten"). Im Bebop und in der Klassik - also vor der Romantik - mag das anders sein - ich empfinde beides als zu verspielt und überladen. Bach ist ein Fall für sich - der Mann genießt meinen uneingeschränkten Respekt trotz einiger aus meiner Sicht überkonstruierter Werke. Und im Zweifelsfall gilt für mich beim Solo, der sich elegant zurückhaltende Stil, der genau das einsetzt, was den maximalen Effekt verspricht - und nicht mehr - als das Ideal. Stücke - sind eine andere Sache. Da ist erst einmal Alles erlaubt in meinen Augen, was einer unterliegenden Spannungslinie zum Durchbruch im Kopf des Hörers verhilft :) Drittens: Ich habe es an anderer Stelle bereits erwähnt - wenn das Harmoniegerüst, über das man improvisiert einfach ist - dann muß man rhythmisch variieren, da man die spielbaren Töne relativ schnell "durchhat". Ein sehr beliebtes und bewährtes Stilmittel ist es hierbei - ein und dasselbe Riff - mehrmals hintereinander zu wiederholen. Am besten mit ständigen leichten Veränderungen der rhythmischen Phrasierung und dem Wechseln der Betonungen der Noten, die das Riff ausmachen ("Akzentverschiebung"). in die gleiche Kategorie falllen die Stilmittel: - Doubletime (doppelt so schnell wie der Groove spielen) - Halftime (halb so schnell wie der Groove) - kurzzeitig binär über ternären Rhythmen und ternär über binären Rhythmen spielen ("Grooveshifting") - Mitbetonen oder Mitspielen von Riffs oder Phrasierungen, die von anderen Bandmitgliedern gerade kommen. Also: was machen Gitarre, Bass, Drums, Keyboards etc gerade und wo kann ich mal kurz darauf eingehen. Gute Begleiter reagieren natürlich auch in gleicher Weise auf den Solisten. Der gute Solist schreckt auch nicht davor zurück, mal nur einen einzigen Ton zu nehmen - und dessen rhythmische und Akzentmöglichkeiten hemmungslos auszureizen. Viertens: Zusätzlich zu den an anderer Stelle bereits erwähnten Skalen, Arpeggien, Intervallsprüngen etc: - banal, aber wirkungsvoll : gelegentlich mal oktavieren - mal einen Ton über einen oder 2 Takte ziehen - die Leittöne der Harmonien nicht immer nur umspielen - sondern auch mal ausspielen (wie bereits oben erwähnt, bilden die Leittöne der Harmonien in sich eine Melodie, wenn die Harmonien gut "gesetzt" sind) - Riffs spiegeln (von hinten nach vorne) oder anders variieren - Töne in extrem hoher oder niedriger Lage spielen - Töne spielen, die in den Harmonien gar nicht von den Kollegen kommen - aber die Akkorde logisch erweitern (z.B die "7" spielen über einen Akkord, der 3stimmig angeboten wird). Fünftens: Die im Kapitel "sonstige Mittel" erwähnten Möglichkeiten sollten nicht vergessen werden. Etwas davon tut jedem Solo gut - in machen Stilrichtungen ist es Pflicht - und es gibt auch Richtungen, die nichts anderes zum Inhalt haben. Und daß Ausdruck wichtig ist - dürfte doch wohl inzwischen jedem klar sein? Die 2 wichtigsten Dinge unter dem Strich, die ein gutes Solo ausmachen, bleiben: - Spannungsbögen aufbauen und unterstützen - Ausdruck Alles andere habe ich an anderer Stelle dieses Werks bereits gesagt. Auf den Erfolg, Solist!!!

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Wenn es nur ein einziges gäbe, bräuchten wir dieses Tutorial nicht. Und es wäre schon gespielt worden und das war's. :) Jeder hat bestimmte rhythmische und tonale Vorlieben. Ich möchte auch, daß dieser individuelle Aspekt so bleibt. Letzten Endes ist der eigene Stil sogar das Ziel eines jeden Solisten. Um das überzeugend zu "bringen", sollte er all das, was er gerne spielen würde, so gut beherrschen wie es ihm möglich ist. Dafür ist ein Weiterarbeiten an seinen Fähigkeiten unvermeidbar. Und bei allen Möglichkeiten: ein gutes Solo ist kein Selbstzweck, sondern verfolgt eine Linie. Sie soll den Hörer intellektuell und emotional mitreißen. Eigentlich ist damit ja jetzt schon alles gesagt :) einige Dinge falllen mir da aber durchaus noch ein: Zuallererst: ein Solo steht immer im Arrangement. Es erfüllt im Rahmen des Arrangements eine Funktion. Selbst wenn der Arrangeur es nur eingeplant hat, um eine Lücke zu fülllen, zu der ihm nichts anderes eingefallen ist. Entweder steht das Solo zentral im Mittepunkt des Stückes (eher die Ausnahme), oder es leitet von einem zu einem andern Teil des Stückes über (sehr häufig), oder es soll die Entwicklung des Stücks steigern oder entspannnen im Gesamtzusammenhang. Als guter Solist geht man immer von Variante 3 aus. Man weiß, was vorher passiert ist, wo es hinführt, und hat - (auch wenn man das Stück nicht kennt, weil man gerade kollektiv improvisiert)- eine Vorstellung davon, wie das Stück weitergeht. Treibt das Stück die ganze Zeit vorher auf einen Höhepunkt zu: sollte man ihn setzen. (Außer man kennt das Arrangement im Voraus und weiß: die Klimax kommt nach mir). War der Höhepunkt gerade: zum nächsten Teil oder dem Schluß überleiten - je nach Arrangement. War vorher wenig los: Viel machen oder ein paar Highlights innerhalb des eigenen Vortrages setzen. War viel los: eventuell einen Gegenpunkt setzen (hängt wieder vom Gesamtzusammenhang ab). Zweitens: Das Solo sollte - wenn möglich - innerhalb seiner selbst - eine Spannungslinie aufweisen. Diese Linie sollte keine Gerade sondern ein Bogen sein - weshalb die Spannunglinie auch als "Spannungsbogen" bezeichnet wird. Einige mögliche Varianten: 1. langsam leise rein, Höhepunkt, langsam leise raus - zum nächsten Teil übergeben 2. Höhepunkt, abfallen, Zwischenhochs, verhalten raus - zum nächsten Teil übergeben 3. Höhepunkt, durchziehen, zum nächsten Teil übergeben 4. mitttelengagiert rein, Akzente, Höhepunkt, zum nächsten Teil übergeben Steht das Solo im Mittelpunkt des Stückes, so empfehle ich in der Regel die Variante 1 - allerdings sind dann - insbesondere bei großer Länge des Solos - mehrere Spannungswellen der beste Weg. Also: verhalten rein, kleiner Höhepunkt, verhalten, kleiner Höhepunkt, verhalten, "fetter" Höhepunkt und danach wieder entweder leise raus - sehr leise - oder mit dem Höhepunkt aufhören. Ein gutes Solo ist wie guter Sex. Innerhalb dieser Spannungsteile kann man die verhalteneren Teile wiederum duch Sforzati (kurzeitiger, starker Akzent, der sofort wieder zurückgenommen wird) und andere Mini-Peaks und Kleinereignisse auflockern. Bei einem solchen "Monstersolo" ist es außerdem Pflicht, sich rhythmisch etwas einfallen zu lassen und auf diesem Gebiet Abwechslung zu erzeugen. Das gilt vor alllem (und dies bei allen Soli) - wenn harmonisch nicht viel passiert. Wenn harmonisch sehr viel passiert - also ständige Modulationen des tonalen Schwerpunktes - und das vieleicht sogar halbtaktig: nicht zu dicht spielen. Das wäre meistens kontraproduktiv. Denn: die vielen Harmonien pflastern aus Sicht des Komponisten den Weg dermaßen aus, weil er eine bestimmte Melodieführung erzwingen will. (Die Melodie ist in den Harmonie-Wechseln durch den geschickten Einsatz der Leitonführung mittels Gebrauch der richtigen Umkehrungen in wichtigen Teilen "enthalten"). Im Bebop und in der Klassik - also vor der Romantik - mag das anders sein - ich empfinde beides als zu verspielt und überladen. Bach ist ein Fall für sich - der Mann genießt meinen uneingeschränkten Respekt trotz einiger aus meiner Sicht überkonstruierter Werke. Und im Zweifelsfall gilt für mich beim Solo, der sich elegant zurückhaltende Stil, der genau das einsetzt, was den maximalen Effekt verspricht - und nicht mehr - als das Ideal. Stücke - sind eine andere Sache. Da ist erst einmal Alles erlaubt in meinen Augen, was einer unterliegenden Spannungslinie zum Durchbruch im Kopf des Hörers verhilft :) Drittens: Ich habe es an anderer Stelle bereits erwähnt - wenn das Harmoniegerüst, über das man improvisiert einfach ist - dann muß man rhythmisch variieren, da man die spielbaren Töne relativ schnell "durchhat". Ein sehr beliebtes und bewährtes Stilmittel ist es hierbei - ein und dasselbe Riff - mehrmals hintereinander zu wiederholen. Am besten mit ständigen leichten Veränderungen der rhythmischen Phrasierung und dem Wechseln der Betonungen der Noten, die das Riff ausmachen ("Akzentverschiebung"). in die gleiche Kategorie falllen die Stilmittel: - Doubletime (doppelt so schnell wie der Groove spielen) - Halftime (halb so schnell wie der Groove) - kurzzeitig binär über ternären Rhythmen und ternär über binären Rhythmen spielen ("Grooveshifting") - Mitbetonen oder Mitspielen von Riffs oder Phrasierungen, die von anderen Bandmitgliedern gerade kommen. Also: was machen Gitarre, Bass, Drums, Keyboards etc gerade und wo kann ich mal kurz darauf eingehen. Gute Begleiter reagieren natürlich auch in gleicher Weise auf den Solisten. Der gute Solist schreckt auch nicht davor zurück, mal nur einen einzigen Ton zu nehmen - und dessen rhythmische und Akzentmöglichkeiten hemmungslos auszureizen. Viertens: Zusätzlich zu den an anderer Stelle bereits erwähnten Skalen, Arpeggien, Intervallsprüngen etc: - banal, aber wirkungsvoll : gelegentlich mal oktavieren - mal einen Ton über einen oder 2 Takte ziehen - die Leittöne der Harmonien nicht immer nur umspielen - sondern auch mal ausspielen (wie bereits oben erwähnt, bilden die Leittöne der Harmonien in sich eine Melodie, wenn die Harmonien gut "gesetzt" sind) - Riffs spiegeln (von hinten nach vorne) oder anders variieren - Töne in extrem hoher oder niedriger Lage spielen - Töne spielen, die in den Harmonien gar nicht von den Kollegen kommen - aber die Akkorde logisch erweitern (z.B die "7" spielen über einen Akkord, der 3stimmig angeboten wird). Fünftens: Die im Kapitel "sonstige Mittel" erwähnten Möglichkeiten sollten nicht vergessen werden. Etwas davon tut jedem Solo gut - in machen Stilrichtungen ist es Pflicht - und es gibt auch Richtungen, die nichts anderes zum Inhalt haben. Und daß Ausdruck wichtig ist - dürfte doch wohl inzwischen jedem klar sein? Die 2 wichtigsten Dinge unter dem Strich, die ein gutes Solo ausmachen, bleiben: - Spannungsbögen aufbauen und unterstützen - Ausdruck Alles andere habe ich an anderer Stelle dieses Werks bereits gesagt. Auf den Erfolg, Solist!!!

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